METHODEN DER LERNTHERAPIE

1. Klinische Lerntherapie

Aufmerksamkeitsspiel

a) Was ist klinische Lerntherapie?

Es handelt sich nicht um eine Form der „NACHHILFE“, sondern um eine „THERAPIE“. D.h. es werden nicht nur durch „ÜBEN“ die bestehenden Fehler und Symptome bekämpft, sondern es wird durch intensive „FORDERUNG UND FÖRDERUNG“ verschiedener fundamentaler „FÄHIGKEITEN“ eine verbesserte und stabilere Ausgangsbasis geschaffen, um das Lernen schulischer Inhalte grundsätzlich zu erleichtern.

b) Wie funktioniert klinische Lerntherapie

Es wird nach neuesten neurologischen Erkenntnissen gearbeitet. D.h. es wird auf folgende Gesichtspunkte geachtet, da es nur so zu „effektiven und verankerten Lernen“ kommen kann.

So bilden sich im Gehirn Synapsen aus, die das Wissen verknüpfen,
integrieren und verankern und so das Lernverhalten beeinflussen.

  • hohe Bewusstheit
  • hohe Aufmerksamkeit
  • häufige Wiederholungen
  • kleinschrittiges Vorgehen
  • Variationen bzw. steigender Schwierigkeitsgrad
  • langsam und lang andauernd
  • mit Freude und Spaß

c) Wie verläuft die Therapie?

Nach einer ausführlichen Diagnostik und Befunderhebung mit dem Kind und den Eltern, wird für das Kind ein individueller Behandlungsplan (Schwerpunkte und Therapieziele) erstellt.

Die klinische Lerntherapie teilt sich grob in 2 Teile auf.

Basistherapie

Zunächst liegt der Schwerpunkt auf der „BASISTHERAPIE“, in der durch das Arbeiten an fundamentalen Fähigkeiten die Basis für das Lernen schulischer Inhalte geschaffen wird.

  • Ausdauer, Konzentration, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit
  • Auditive Wahrnehmung (Hören)
  • Visuelle Wahrnehmung (Sehen)
  • Taktil-kinästhetische Wahrnehmung (Fühlen)
  • Motorische Koordination
  • Sprachhandlungsplanung
  • Logisch abstraktes Denken
  • Elternarbeit
  • Hausaufgaben
  • Lernverhalten
  • Zuverlässigkeit
  • Sozialverhalten
  • Frustrationstoleranz

Lerntherapie

Anschließend wird diese Basistherapie mit der eigentlichen „LERNTHERAPIE“ kombiniert und verknüpft. D.h. es werden schulische Lerninhalte (Mathematik, Schreiben usw.) mit basalen Funktionen gekoppelt, um besser in den Gesamtorganismus bzw. in das Gesamtsystem des Kindes integriert zu werden.

  • Lesetraining
  • Rechentraining
  • Rechtschreibtraining (lautgetreues Schreiben, Mittlautverdopplung, Lernwörter)
  • Schrifttextanalyse
  • Textaufgabenanalyse
  • Mündliches Erzählverhalten
  • Schriftliches Erzählverhalten

Die Auswahl und Kombination der Therapieinhalte und Methoden richtet sich nach dem Leistungsstand der Kinder. Entsprechend den individuellen Bedürfnissen der Kinder findet die Therapie entweder einzeln oder  in Kleingruppen von zwei bis fünf Kindern statt.

2. Zertifizierte Dyslexietherapie

a) Vorläuferfähigkeiten / Basiskompetenz:
auditive Wahrnehmung und phonologische Bewusstheit

Reimen, Silbenzergliederung, Silbensynthese, Lautidentifikation, Lautlokalisation, Lautdiskrimination – Es ist wichtig unabhängig, vor allem in den ersten beiden Klassen, viele sprachliche Aufgabenstellungen und Anregungen zu geben.

b) Buchstabenkenntnis
(Phonem-Graphem Korrespondenz)

Entscheidend für das Erlernen der Schriftsprache ist das sichere und hochautomatisierte Erlernen der korrekten Zuordnung von Lauten zu Buchstaben und umgekehrt. Hochautomatisiert deswegen, da ein Kind nicht mehr überlegen sollte, wie ein Buchstabe gesprochen bzw. geschrieben werden.

c) Zusammenziehendes Lesen bzw. Silbenerkennung

Selbst wenn die Kinder die Buchstaben sicher können, kommt es immer wieder vor, dass sie große Probleme haben, sie zusammenzuziehen. Wenn dies der Fall ist, können sie auch kein Lesesinnverständnis entwickeln.  Deswegen ist es in der Therapie von legasthenen Kindern wichtig, vor allem an der Einheit der Silbe zu arbeiten. Denn sowohl für das richtige Schreiben, als auch für das flüssige Lesen ist die Silbe sehr wichtig. Bei allen Übungen ist es sinnvoll vom Einfachen zum Schweren zu gehen, langfristig aber alles gleich gut zu automatisieren. D.h. von der einfachen KV- Struktur (Nase) über KVK- Struktur (Puppe)  zur schwierigen KKV- Struktur (Drache)  oder auch KKKV-Struktur (Streifen) gehen.

d) Lesen und Schreiben von lautgetreuen Wörtern, Sätzen und Texten

Wenn die Kinder die Silben gut lesen und schreiben können, kann man in der Therapie zunehmend mehr Wörter erlesen und schreiben. Diese werden in der Therapiestunde meist an die jeweiligen Fähigkeiten des Kindes individuell zusammengestellt. D.h. wenn es noch große Probleme hat, Wörter mit Konsonantenverbindungen zu lesen, werden trotzdem Texte gelesen, in denen aber keine bzw. so wenig wie möglich Wörter mit Konsonantenverbindungen vorkommen.

  • lautgetreue Diktate und Lesetexte kopieren
  • Silbengegliederte Texte (farbig, Silbenbögen) („Silbengenerator“)
  • Einzeichnen von Silbenbögen während des Lesens
  • spezielle PC Programme (z.B. „ABC der Tiere“). Bei diesem Programm wird erst durch  Betätigung der Leertaste die nächste Silbe sichtbar
  • Lesebücher mit Silbengliederung
  • Beim Schreiben von Wörtern empfiehlt sich oft folgende Vorgehensweise aufzuzeigen: 
    – Wort nachsprechen
    – in Silben zerlegen
    – Silbe für Silbe synchron zur Schreibbewegung mitsprechen
    – anschließendes Korrekturlesen durch Einzeichnen von Silbenbögen

Bei allen Übungen ist es stets wichtig das Lesesinnverständnis
abzusichern. Fragen zum Text, Rätsel, Zuordnung zu Bildern.

e) Rechtschreibung

z. B. Lang und kurzgesprochene Vokale und daraus resultierende Rechtschreibregeln (Mittlautverdopplung, Dehnungs-h, ie, Unterscheidung s, ss, ß)

  • Silbenklatschen
  • Verdeutlichung offener und geschlossener Silben
  • Hörübungen zu langen und kurzen Vokalen (offener und geschlossener Vokal)
  • Unterstützung der auditiven und taktilen Wahrnehmung von langen und kurzen Vokalen durch Handbewegungen
  • Bedeutungsunterschiede deutlich besprechen und herausarbeiten (Rasen – Rassen, Wal-Wall)
  • Spiele (z.B. Hörmory, Joppi Kuka)
  • ständige Wiederholung von Rechtschreiberegeln und Abspeichern z.B. durch Lernwortgeschichten

Lernwörtertraining (z. B. Wörter mit Doppelvokal)

  • Hohe Automatisierung durch Auswendiglernen
  • Buchstabieren (vorwärts und rückwärts, mit und ohne Motorik, mit und ohne Ablenkung)
  • Manipulation der Wörter (Anagramme)
  • Automatisierung durch Schnellschreibübung (z.B. Schokoladenessen)

f) Sicherung des Lesesinnverständnisses

Die Aufgaben werden an die jeweiligen Fähigkeiten des Kindes angepasst.

g) Zusammenarbeit mit den Eltern:

Für die Unterstützung der Kinder ist die Zusammenarbeit mit den Eltern und ggf. das häusliche Üben sehr wichtig. Manchmal ist es aber aufgrund der Nähe zwischen Kind und Eltern schwer Übungen zu Hause ohne Aggressionen und Störungen der Bindung durchzuführen. Es ist deshalb wichtig, den Eltern zu vermitteln, dass sie vor allem die emotionale Stütze ihres Kindes sind und es in seinen (auch außerschulischen) Fähigkeiten bestärken sollten.

Allerdings ist es, bei entsprechender Motivation und Auswahl der Literatur zu realisieren, dass die Kinder den Eltern 10 -15 Minuten am Tag etwas laut vorlesen. Um dies zu erreichen können folgende Anreize gesetzt werden.

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